Mittwoch, 17. Februar 2016

Goedemorge ...

... so ziemlich das einzige niederländische Wort, welches in Perfektion beherrsche :-)


Hallo erst mal !

Und hier melde ich mich aus dem Land der Holzschuhe und der Tulpen mit einem neuen Blog. Der Blogtitel mag noch recht einfallslos klingen, doch sobald mir was besseres einfällt, werde ich diesen umbenennen.
In der letzten Zeit sind mir ja die Geschichten etwas ausgegangen ... und so gab es nicht wirklich viel zu berichten, doch jetzt sieht die Sachlage wieder anders aus und ich kann und möchte euch an meinen Erlebnissen in Oranje teilhaben lassen.

Viel weiss ich noch nicht von Land und Leuten - wie denn auch, ich bin ja noch nicht mal eine Woche hier - doch ich fest dazu entschlossen, so viel wie möglich über unsere deutschen Nachbarn zu erfahren und zu lernen.
Doch alles zu seiner Zeit ...

Erst mal bin ich froh, dass wir den Umzug ganz ohne Verluste und ohne Bruch überstanden haben. 97 Kartons haben wir in Römerberg gepackt - so sah es aus:





und inzwischen auch fast wieder ausgepackt. Zumindest befindet sich der Grossteil in irgendwelchen Schränken, ob das jedoch so bleibt, ist noch fraglich ... Der praktische Aspekt konnte beim Auspacken der Kartons nur bedingt berücksichtigt werden, da man erst mal ein Loch in das Meer von Pappe bekommen musste, um sich weiter orientieren zu können.



Die ersten Tage hier waren überschattet von vollen Kisten und neuen Eindrücken und zugegebenermassen einer kleinen Abneigung gegen den neuen Heimathafen. Noch letzte Woche konnte - und wollte - ich mir nicht vorstellen, wie ich die Tage hier allein mit Josef verbringen soll. Insbesondere am Sonntag. Der Tag, an dem die Schwiegermutter wieder ihren Heimweg antrat und der Tag, an dem es nur einmal regnete und unseren Stadtteil in ein weniger freundliches Grau tauchte. Ich wollte nur ein: Zurück nach Hause!!! 
Aber wo raus, wenn da kein Loch ist???

Und so versuchte ich mich wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen und beschloss, erst mal abzuwarten, was denn so alles auf mich zukommen wird.

Und dann war er da. Der Montag. Roman verliess recht früh das Haus und überliess mich der Fremde. Keine Zeit zum Trübsal blasen. Erst mal kucken, was Den Haag so zu bieten hat.
Ich also, Josef und mich geschniegelt und gestriegelt und schon waren wir auf dem Weg zur Bushaltestelle. Da ich noch nicht im Besitz der OV-Chipcard war, musste ich einen Fahrschein lösen. Besser gesagt, ich wollte einen lösen, doch der Busfahrer winkte mich durch und liess mich der umme mitfahren. 
Am Hauptbahnhof angekommen stieg ich erst mal aus und machte mich auf direktem Weg zum Stadthaus zur Internationalen Zentrale. Dort wollte ich mir Informationen einholen über das Leben mit Kind in Den Haag und ggf. auch noch ein paar Tipps, was ich mit einem 2jährigen hier so anstellen kann. Die erste Dame konnte mir nicht wirklich weiterhelfen und verwies mich an ihre Kollegen. 
Diese befragte ich dann auch - allerdings erst, nachdem ich einen Stadtrundgang gemacht hatte und feststellen musste, dass die Geschäfte am Montag erst um 1200 (!!!) h aufmachen ... Verdammte Hacke, noch nicht mal Geld ausgeben konnte ich an meinem ersten Tag.
Wie gesagt, so verliess ich unverrichteter Dinge die Fussgängerzone wieder und fand mich am Schalter bei Bettina ein. Bettina, ca. mein Alter, total sympathisch, kam aus dem Schwätzen gar nicht mehr raus - ich allerdings auch nicht und das Ende vom Lied war, dass wir Telefonnummern ausgetauscht haben und uns demnächst einfach mal so treffen wollen. Ihr Jüngster ist gerade mal 4 und womöglich können Josef und Paul dann doch was gemeinsam anfangen.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Josef auf dem nahegelegenen Spielplatz und auch dort dauerte es nicht lange, bis ich meinen ersten Kontakt knüpfen konnte. Katerina, eine Tschechin, die mit ihrem spanischen Mann gerade vor 14 Tagen in die Nachbarschaft gezogen ist. So unterhielten wir uns über dies und das und auch wir tauschten die Nummern aus.

Der Dienstag begann dann ebenfalls damit, dass wir uns morgens auf den Weg in die City zum Stadthaus machten, da wir einen Termin zur Anmeldung hatten. In Holland ist die sogenannte BS Nummer Pflicht und jeder, der hier gedenkt zu leben, braucht eben eine solche. 
Mit Hilfe der Relocation-Tante war der Termin schnell absolviert und wir konnten wieder unseren Dingen nachgehen.
Alles in allem noch alles recht unspektakulär.

Heute allerdings habe ich auf den Weg zum Bauernmarkt gemacht, der jeden Mittwoch in DH stattfindet. Das wollte ich mir unbedingt mal ansehen und ggf. frisches Gemüse und Obst kaufen.
Erst mal war ich total froh, dass ich rausgefunden habe, dass ich mit dem Bus auch noch 2 Haltestelle weiterfahren kann und dann direkt im Zentrum ankomme (und mir somit 10 Minuten Fussmarsch) erspare, und dann überzeugte mich der Brotstand richtig. Mindestens 100 Sorten Brot. Mit Körnern, ohne Körnern, wenig Körnern, hell, dunkel, mittelhell, dunkeldunkel ... Ach, es gab nichts, was es nicht gab. So entschied ich mich erst mal für ein halbes Roggenbrot und machte mich weiter auf Erkundungstour.

Hier ein Stand mit frischem Fisch, dort ein Stand mit frischem Fleisch ... Was nehme ich nur mit?
Es sollten 2 Hähnchenbrüstchen sein. So meine Wahl.
Mir treibt es noch immer die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke und wenn ich euch jetzt davon berichte.
Also, ich bestelle diese beiden Brüstchen - es waren 400 Gramm (!!!!) - nicht mehr und nicht weniger. Und dann sagt der Verkäufer zu mir 13,00 EURO !!!!
Ich habe 13 EURO für zwei mickrig kleine Brüstchen bezahlt !!! 
Unglaublich !!!! Ich kann das noch immer nicht glauben ...
Am Ende habe ich das Gemüse dann nicht mehr auf dem Markt kaufen wollen ...  Wer weiss, vielleicht zahlt man für einen Blumokkoli 5 EURO oder so !!!

Dennoch kann ich zusammenfassend sagen, dass der gemeine Holländer sehr freundlich und zuvorkommend ist. Überall wo man hinkommt, wird zumindest englisch gesprochen, man bekommt Auskunft und manchmal wird man sogar bis zum gewünschten Punkt eskortiert - so passiert, als ich nach dem Weg zurück zum Stadthaus fragte und an einen betagten Engländer geriet, der gerade auf dem Weg auf eine Tasse Tee zu Marks and Spencer war ... Auf den 50 m, die wir gemeinsam zurücklegten, erfuhr ich, dass er und seine Frau Claire bereits über 40 Jahre in The Hague leben, sie jeden morgen zu M+S zum Tee gehen und dort im Supermarkt die gewünschten Lebensmittel kaufen können ...

So, und jetzt noch ein Blick in und aus unserem Häuschen:





Ich bin gespannt auf die kommenden Wochen und Monate ... Es wird gewiss einiges zu berichten geben ... 

In diesem Sinne, lasst es euch gutgehen und bis bald,
Eure Jana